Oft ist es nur ein kleiner Dreh, ob etwas - eine Situation, ein Bild, eine
Inszenierung - stimmig und passend erscheint - oder eben merkwürdig und
daneben. Es ist der zweite Blick, der alles verändert oder das, was passiert,
wenn wir das Gleiche in verschiedenen Kontexten sehen. Miranda
Konstantinidou spielt bei „Twisted Lady“ mit dieser Überdrehung unserer
Wahrnehmung und des Geschmacks. Eine „Twisted Lady“ ist eine, die sich
ihrer Situation gemäß korrekt kleidet und gibt, eine Königin Mutter-Figur
vielleicht, jedenfalls jemand, der schön, schön altmodisch erscheint. Und
doch ist beim näheren Hinsehen alles etwas too much, die Details sind
doch nicht so brav und unschuldig, sondern so, als ob sie überschminkt
seien, etwas zu dick aufgetragen.
Genau diese Überdrehung macht „Twisted Lady“ spannend und modern.
Formal Vintage, klassisch, alt bekannt und doch, aus dem Kontext gerissen
verspielt, lebendig und wirklich zeitlos schön.
Auf der einen Seite meint man, man könnte die Schmuckstücke in einem
Antiquitätenladen der 50er aufstöbern. Mit anderen Augen betrachtet sind
sie jedoch sehr heutig, ein Outfit, das keinen Verweis auf gute alte Zeiten
benötigt. Jeder kann das Spiel spielen, so weit drehen, wie er will.
Die Schmuckstücke selbst sind verquirlt, drehen sich vor unseren Augen.
Dieser Strudel-Effekt basiert auf einer Technik, die Miranda Konstantinidou immer wieder in ihren
Kollektionen anwendet, selten aber so fokussiert wie bei „Twisted Lady“: Das Umwickeln, Überwickeln
und Verdrehen von Draht. Das Ergebnis sind spiralförmige Schmuckstücke. Der letzte Dreh, der letzte
Schrei – von wann auch immer.